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  • Tobi

Vom Hippiebus zum LKW - Pro/Kontra

Aktualisiert: 21. Apr. 2020

Nachdem ich im Sommer 2013 mit meinem Auto in Ungarn ein Festival besuchte und keine Möglichkeit hatte mich in meinem Fahrzeug anständig zu erholen, fand ich mich auf einem Rastplatz wieder.

Es regnete in Strömen und es war kalt. Ich war auf der Rückreise und schon gute 12 Stunden unterwegs. Vergeblich versuchte ich etwas zu schlafen und so fuhr ich 2 Stunden später noch mehr niedergeschlagen weiter in Richtung Heimat. Ich war schlussendlich 19 1/2 Stunden unterwegs und völlig erschöpft - Das ist nicht nur dumm, sondern auch ziemlich gefährlich. Der Fall war klar: Ich brauche ein Fahrzeug in dem ich schlafen kann!

Ich beschloss mir einen Van zu kaufen. Da ich nicht gerade 2 Linke Hände habe wollte ich unbedingt einen alten Mercedes T1-Bus (im Volksmund auch Bremer genannt) haben. Gesagt, getan. Mit viel Liebe und Schweiss habe ich mir mein eigenes Ferienmobil gebaut. Mann, habe ich dieses Auto geliebt :-)





Anfangs fuhr ich hauptsächlich im Sommer an Festivals in verschiedenen Ländern. Anfangs befand sich im Innenraum nur ein Bett. Stück für Stück entwickelte sich das Fahrzeug aber mit mir weiter und so entdeckte ich die Lust des Reisens. Ich baute eine Küche, eine Dieselheizung, eine 200W Solaranlage und einen Kühlschrank ein. Zudem schweisste ich einen Dachkorb und baute eine Motorradpritsche an das Heck des Wagens. Markise, Sonnenblende, Zusatzscheinwerfer, 2 Ersatzräder, 60l Frischwasser, Aussendusche, Funkgerät, 230V Wechselrichter, etc. Die Karre wurde nicht nur ziemlich autark und immer schöner anzusehen, sondern auch immer schwerer. Ich fuhr immer an der Gewichtsgrenze und als ich mir Gedanken machte wie ich eine Innendusche realisieren könnte und ob ich nicht noch irgendwo eine Trockentrenntoilette reingequetscht bekomme, war mir klar: Entweder ich mache alles noch mal neu und so leicht wie möglich oder ich brauche eine grössere Karre. Ich entschied mich für Letzteres.





Wie ich im Beitrag zu "Wie alles begann" (zu finden im Hauptmenü der Website) schrieb, habe ich mir im Herbst 2017 dann diesen Steyr 680 von 1970 gekauft. Ich hatte nun in den vergangenen Jahren erste Erfahrungen sammeln können und erstellte zuvor eine Liste mit Pro -und Kontrapunkten was die Anschaffung eines geländegängigen Lastwagens als Wohnmobil anging. Worauf hin ich meinen Kaufentscheid fällte. Meine damaligen Überlegungen waren folgende:



Pro

- hohe Nutzlast und grosses Platzangebot

- daraus resultiert die Möglichkeit viel Frischwasser und Diesel mitzunehmen, sehr autark

- robuste Technik

- 4x4 LKW-Basisfahrzeuge kosten gleich viel oder sind sogar günstiger als 4x4 Vans bis 3,5t

- wenig Rost, vor allem ältere 4x4 Vans haben in der Regel immer Rostprobleme

- mehr Freiheit durch gute Geländegängigkeit und Bodenfreiheit

- durch Kofferaufbau keine runde Karosserieform die beim späteren Innenausbau nervt

- mehr empfundene Sicherheit im Fahrzeug

- einfach etwas besonderes so ein Expeditionsmobil


Kontra

- gross, schwer und nicht so wendig wie ein 3.5t-Fahrzeug

- daraus kann es Schwierigkeiten bei der Park -und Stellplatzsuche

- eventuelle Gewichtsbeschränkungen auf den Strassen schränken die Freiheit ein

- hoher Spritverbrauch

- hoher Aufwand -und Kostenpunkt bei Unterhaltsarbeiten, z.B. grosse Motoren-Ölfüllmenge

- man kann nur mit Hilfe einer Leiter/Treppe direkt in den Wohnraum gelangen

- Steuer und Maut sind höher als bei Fahrzeugen bis 3.5t

- langsam (aber ich habe ja Zeit :-)


Da ich mich dazu entschlossen habe Vollzeit in meinem LKW-Wohnmobil zu leben, relativierten sich die höheren Kosten für mich. Schliesslich musste ich ja keine Miete mehr bezahlen und auch die Nebenkosten haben sich ziemlich stark reduziert. So muss ich keine Heiz-, Strom- und Wasserrechnung mehr bezahlen und auch die Empfangsgebühren für TV&Radio vielen weg, da ich mich bei meiner Mutter im Haushalt angemeldet habe.


Im Nachhinein muss ich gestehen, dass der wahrscheinlich grösste Grund für den Kauf des LKW meine Vorliebe und Faszination für grosse Maschinen gewesen ist. Dennoch bin ich Nach wie Vor davon überzeugt eine vernünftige Entscheidung getroffen zu haben. Die Bauzeit war mit 2 Jahren für mich das mit Abstand grösste Projekt bisher und dadurch sehr intensiv für mich. Doch habe ich in dieser Phase viel über mich selbst gelernt und konnte mein Durchhaltewillen und mein Selbstbewusstsein dadurch stärken. Ich konnte es fast nicht glauben als der Steyr dann endlich fertig war.





Mittlerweile habe ich 1 1/2 Jahre vollzeit im Mercedes-Bus gelebt und nun ca. 7 Monate im LKW. Ich weiss den Komfort im Steyr sehr zu schätzen. Endlich habe ich eine anständige Toilette, eine Dusche mit Warmwasser und vorallem genug Wasser. Stromtechnisch habe ich immer genug, da auf dem Dach eine grosse Solaranlage Ihren Platz gefunden hat. Die Küche hat eine super Arbeitshöhe und anständige Schubladen. Nebst der Dieselstandheizung hat sogar noch ein kleiner Holzofen seinen Platz gefunden. In der Sitzecke kann ich mich gemütlich aufhalten. Früher im Van war das Bett der Ort für alles: essen, trinken, mit Freunden abhängen, Bürokram erledigen, Filme schauen und natürlich das Übliche was man im Bett sonst noch so macht. Jetzt gibt es für alles einen Platz und ich habe trotzdem noch genug Freiraum, um mich im Fahrzeug zu bewegen. Nice :-)


Mein persönliches Fazit

Ich denke, dass ein LKW als Basisfahrzeug für ein Wohnmobil hauptsächlich Sinn macht wenn man auch wirklich darin lebt oder dies zumindest beabsichtigt zu tun. Die höheren Kosten relativieren sich dann nämlich und man kann aus dem Fahrzeug gewichtstechnisch und komforttechnisch seinen persönlichen Nutzen ziehen. Wer nur gelegentlich autarke Ferien bzw. Reisen mit seinem Fahrzeug unternimmt und eine feste Bleibe hat, für den ist ein Van, Geländewagen oder ein geländegängiger Van genau das Richtige. Man ist damit im Gelände leichtfüssiger unterwegs, bezahlt weniger für Unterhalt, Sprit, Maut und Fähren bzw. Verschiffungen, und hat eindeutig weniger Schwierigkeiten bei der Parkplatzsuche in Dörfern und Städten. Das Fahren eines LKW benötigt zudem mehr Konzentration und Ausdauer des Fahrers und man ist mit einem Fahrzeug bis 3,5t definitiv zügiger unterwegs.


Ich hoffe ich konnte einen kleinen Einblick geben, welche Beweggründe für und welche gegen ein LKW-Wohnmobil sprechen.


Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.










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