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  • Tobi

Freistehen in Portugal: Ärger im Paradies!

Portugal ist ein wunderschönes Land! Um genau zu sein, entstand mein Entschluss im Fahrzeug zu leben, tatsächlich an der Westküste Portugals. Erstmals war ich mit dem Camper im Jahr 2017 in Portugal und war begeistert von der Natur und den vielen im Wohnmobil lebenden Menschen, die ich traf. Das Freistehen auf der Klippe im Nationalpark wurde geduldet und man konnte wochenlang mit dem Van am Surfstrand stehen. Diese Freiheit zog mich in den Bann! Viermal führten mich seitdem meine Wege schon nach Portugal.


Heute ist der 1. Februar 2021 und wir stehen mit unserem LKW-Reisemobil auf einem Platz in unmittelbarer Strandnähe an Portugals Südküste. Höchste Zeit für einen neuen Blogbeitrag. Ich möchte mich allerdings heute einem nicht so angenehmen Thema widmen.


Ärger im Paradies... Eines vorweg: Portugal ist nicht mehr das "Vanlife-Mekka", welches es einmal war. Ganz im Gegenteil, es wird mancherorts eine regelrechte Hetzjagd gegen Freisteher betrieben. Einerseits von den Behörden und andererseits von den Bürgern. Schon mehrmals klopfte es laut an unserer Tür und wir wurden von der GNR gebeten den Platz unverzüglich zu verlassen. Es gibt beispielsweise auch auf Instagram Accounts von aufgebrachten Locals, die gegen Freisteher hetzen, indem sie Fotos von Campern, vermüllten Plätzen und Reisemobilen im Parkverbot etc. posten. Sie nennen sich "sos_costavicentina" oder auch "stopwildcampingportugal" und nehmen ihr Anliegen sehr ernst. Ich habe schon Van's gesehen, die mit "Fuck Off Freecampers" oder "Wild Campers Stop" Aufklebern beklebt wurden. Man findet diese Sticker auf vielen bekannten Strandparkplätzen im Süden Portugals. Es sind aber nicht nur Portugiesen, welche Ihren Unmut rauslassen. Es gibt hier auch Deutsche, die mit dem Handy Bilder von Freistehern knipsen um der Hetzjagd beizusteuern. Es gibt also Probleme mit den Wohnmobilisten in Portugal. Diese gibt es schon lange, jedoch spitzt sich die Lage gerade etwas zu.


Nun trat am 09.01.2021 zusätzlich ein neues portugiesisches Strassenverkehrsgesetz in Kraft, welches ausdrücklich besagt, dass das Übernachten im Fahrzeug nur noch an dafür ausgewiesenen Plätzen erlaubt ist. Somit kommen also nur noch kostenlose und kostenplflichtige Womo-Stellplätze, bzw. Campingplätze für eine Übernachtung in Frage. Zumindest wenn man dem Ärger aus dem Weg gehen möchte. Kurz gesagt: Portugal verliert gerade seinen Freiheits-Spirit und deshalb auch an Attraktivität für Vanlifer.

Dennoch wird dagegen gehalten. Die "Bürgerwehr" erhält mittlerweile auch Gegenwind von einigen Vanlifern und Surfern, die in Ihren Vans unterwegs sind. Ein kleiner Krieg hat begonnen...


Diese und andere Aufkleber findet man gelegentlich an Strandparkplätzen und auf Windschutzscheiben mancher Wohnmobile.


Mit solchen Drohungen versuchen manche Locals die Wildcamper zu verjagen.


Aber auch die Camper wehren sich...



Die Ursache für diesen Konflikt scheint das rücksichtslose Verhalten vieler Vanlifer zu sein. Dazu kommt, dass es auch ganz einfach verdammt viele geworden sind. Als ich 2017 in Portugal war, wusste man noch nichts von dem bevorstehenden krassen Vanlife-Hype. Und obwohl wir nun auch ein Teil davon sind, waren unsere Beweggründe nicht von Instagram-Bildern, sondern von Aussteigern, die in Frieden leben wollen, geprägt. Und ja, auch ich habe in die Büsche geschissen! Doch ich habe auch stets dafür gesorgt, dass ich eine saubere Umwelt hinterlasse. Seinen Müll mitzunehmen, sollte eine absolute Selbstverständlichkeit sein. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass ich auch schon des öfteren portugiesische Camper und Locals beobachtet habe, die sich daneben benommen haben. Ein grosser Vermieter für bunte Camping-Busse in Portugal, hat 2017 tatsächlich einigen Mietern gesagt, sie können die Chemie-Toilette ohne Bedenken in die Büsche kippen wenn sie voll ist. Diese Mieter haben mir empört davon berichtet... Trotzdem sollte man vor der eigenen Haustür wischen, weshalb ich hier auf die Problematik hinweise, die wir "Touristen" in der Hand haben.


Auf eines der Hauptprobleme möchte ich etwas genauer eingehen: Es gibt mehrere Möglichkeiten sein Geschäft in der Natur zu verrichten, ohne sie dabei mit einer "Dekoration" aus Toilettenpapier zu verschandeln. Klartext: Du kannst in einen Sack kacken, den du dann entsorgst. Du kannst aber auch ein möglichst tiefes Loch buddeln, welches du anschliessend wieder zudeckst. Ist dies nicht möglich, dann kannst du dir den Arsch mit Wasser putzen oder sofern es wettertechnisch feucht genug ist, dein Klopapier verbrennen. So kannst du zumindest das optische Erscheinungsbild deiner Umwelt massiv verbessern. Beachte jedoch, dass es besonders ab wärmeren Temperaturen unter Umständen gesundheitlich gefährlich werden kann. Bakterien verbreiten sich dann nämlich besonders schnell und Fliegen legen Ihre Eier auf euren Hinterlassenschaft ab, wodurch Maden entstehen, welche schnell wieder zu Fliegen werden und sich unter Anderem auf offene Wunde setzen. Staphylokokken sind beispielsweise Bakterien, welche zu schwerwiegenden Infektionen der Haut führen können. Dieses Phänomen kommt eher an Orten vor, an denen viele Leute in die Büsche kacken. Es gab auch schon des öfteren Fälle, bei denen Hunde, die Menschenkot assen, elendig verreckt sind, weil der Mensch zuvor Drogen konsumiert hatte - kein Witz!

Wie Ihr seht, ist dieses Thema sehr wichtig und hier besteht definitiv ein grosser Bedarf an Aufklärung. Der Spruch: "Der ist zu dumm zum scheissen", ist oftmals nicht mal eine Beleidigung, sondern kann durchaus eine Tatsache darstellen ;-)

Nun, heute haben wir eine anständige Toilette in unserem Reisemobil und wir müssen deshalb auch nicht in die Büsche gehen - Die wohl pragmatischste Lösung des Problems.


Wie geht es nun weiter?

Natürlich könnte man jetzt Partei ergreifen und beispielsweise den Vanlife-Hype verteufeln. Instagram, YouTube oder allgemein die Medien gaukeln uns die pure Freiheit und Campingidylle vor. Und auch die Corona-Pandemie hat viele dazu bewegt sich ein Wohnmobil anzuschaffen, statt mit dem Flugzeug in ferne Länder zu reisen. Der Trend steigt nach wie vor, unbestritten.

Eventuell ist diese Entwicklung aber auch ein Vorteil, zumindest in der jetzigen Situation. Denn es sind einfach zu viele Vanlifer geworden. Sie alle zu vertreiben oder Sie dazu zu bewegen, sich eine andere Art des Lebens und Reisens zu suchen, ist schlichtweg nicht mehr möglich. Es müssen also Alternativen geschaffen werden. Viele Gemeinden bauen oder haben bereits kostenlose Stellplätze für Wohnmobile. Der wirtschaftliche Aspekt ist ebenfalls nicht zu verachten, immerhin lassen die Vanlifer auch Geld im Land. Für jeden Liter Diesel, der verkauft wird, bekommt das Land hohe Steuerabgaben. Restaurants, Bars und Geschäfte profitieren ebenfalls.

In Regionen in denen nicht viel Tourismus stattfindet, ist es daher momentan noch immer geduldet frei zu stehen, natürlich sofern man sich anständig benimmt. Aber es ist auch so, dass die Tage in Freiheit am Meer mit dem Wohnmobil gezählt sind, zumindest in Portugal. Momentan werden in Portugal hohe Geldstrafen für das Freistehen -besonders in Naturschutzgebieten- verhängt. Viele der schönen Strände im Süden Portugals sind Naturschutzgebiete. Sie können somit nicht mehr von Menschen, die im Wohnmobil leben, wie gewohnt genutzt werden. Wer also den Strand geniessen möchte, muss sich für die Nacht ins Inland verziehen. Es gibt noch Plätze, an denen das Freistehen geduldet wird, es sind allerdings sehr wenige geworden. Die Luft zum atmen ist dünn geworden!


Mein Fazit: Abschliessend möchte ich sagen, dass wir alle mithelfen können, Portugal für uns als Reiseland mit dem Wohnmobil zu erhalten. Hinterlasst bitte absolut keinen Dreck! Wenn ihr beim Strandspaziergang Müll findet, nehmt doch bitte zumindest etwas davon mit und entsorgt ihn - auch wenn er nicht direkt von euch ist. Gerade in Portugal gibt es sehr viele Entsorgungsmöglichkeiten. Oft genügt es wenige Meter zu laufen, um an den nächsten Mülleimer zu gelangen. Wenn ihr euch angenehm, unaufdringlich, freundlich und sauber verhaltet, dann tragt Ihr einen grossen Teil zur Verbesserung der Situation bei. Und eines muss ich auch mal klar sagen, das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Naturschutz ist definitiv vorhanden. Es ist also ganz einfach: Verlasse deinen Stellplatz am besten immer sauberer als du ihn vorgefunden hast!


Zu gerne möchte ich auch noch in zehn Jahren die atemberaubenden Sonnenuntergänge über dem Atlantik an Portugals Küste erleben.


Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. Ich wünsche dir viele unvergessliche Momente auf Reisen.

Euer Tobi

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